Dienstag, 15. Juni 2010

Amerikanische Benediktinerinnen


Die monastische Tradition im christlichen Europa schwächelt genauso wie jenes "ehemals christliche Europa" - zu diesem für manche vielleicht erschütternden Satz braucht es eigentlich nicht viel Einsicht. Man braucht nur die Augen aufzumachen. Die Eintrittszahlen sind katastrophal niedrig, die Überalterung erschreckend, und viele Klöster halten sich nur noch mit Wellness, Joga und inter- und areligiöser Esoterik über Wasser. Man sollte eigentlich langsam erkennen, daß die von den Funktionärskatholiken immer noch gefeierte Öffnung, die Anpassung an die Zeit nichts gebracht hat.

Vor kurzem hat die letzte verbliebene deutsche Trappisten-Abtei Mariawald einen großen Schritt gewagt - zum erwartbaren Mißvergnügen des Ortsbischofs - und hat nicht nur die alte, überlieferte Messe wieder eingeführt, sondern auch eine Annäherung an die alte Disziplin begonnen. Und siehe da: die Interessenten stellten sich selbst für die dem durchschnittlichen Mitteleuropäer kaum mehr zumutbare Lebensweise der Trappistenmönche ein!

Die neue Welt ist uns verklemmt am Neuen und Neuesten klebenden deutschen Katholiken in dieser Hinsicht ohnehin längst weit voraus. Vor kurzem legten in Kansas City die Benediktinerinnen des Ordens "Queen, Mary of the Apostles" ihre ewigen Gelübde ab. Und nun kommt's: Der Orden ist nicht etwa 1870 oder 1905 gegründet worden, sondern 1995, vor 15 Jahren in Pennsylvania! Und im Unterschied zu Deutschland, wo die Bischöfe jedem, der auch nur ein Wörtchen Latein kann, unterstellen, er wolle die Kirche ins Mittelalter zurückbeamen, hatte der Bischof von Kansas City-St. Joseph, Seine Exzellenz Robert W. Finn, den Orden 2006 hochoffiziell in seine Diözese eingeladen.



Sie ließen sich nieder und gediehen. Vor allem weil die Schwestern nicht bei jeder Gelegenheit beweisen wollen, daß sie auch von "dieser Welt" seien, daß "auch sie" selbstbewußte Frauen seien. Sie sind es und sie wissen, daß es der weiß, der allein zählt, und dem sie ihr Leben geweiht haben. Auf ihrer Webseite [www.benedictinesofmary.org] beschreiben sie ihren Orden als "traditional monastic community of women who desire to imitate the Blessed Virgin Mary in the giving of herself to God to fulfill His Will, especially in her role of assistance by prayer and work to the Apostles, first priests of the Catholic Church".

Sieht man sich die fröhlichen Gesichter der zahlreichen jungen Schwestern an, weiß man wieder, daß die Zukunft der Kirche ihre Tradition ist - das was gestern, heute und immer gilt...

Kommentare:

  1. ... die Zukunft der Kirche ihre Tradition (ist). ... das klingt ja so "schräg" - aber es hilft alles nichts, es STIMMT!!! DANKE

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  2. Weniger kann auch manchmal mehr sein... Gewisse Öffnung für unsere Zeit hat auch Klöstern nicht geschadet! Es gibt nicht nur in Heiligenkreuz Konvente, die schon mal Postulanten, Novizen oder Neuprofessen haben! Es ist nicht ein Problem der Lebensführung (Anzahl der Gebetszeiten, strengere Klausur), sondern viel hängt doch auch von der Einstellung der Konvente ab... Und die kann mit Tradition gehoben werden, ja...

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