Montag, 7. Februar 2011

Offener Brief an deutsche Theologen


Der Kulturjournalist Alexander Kissler hat nach seinem offenen Brief an Bundestagspräsident Lammert, der die Zulassung katholischer verheirateter Männer zum Priesteramt gefordert hatte, heute einen weiteren offenen Brief an die Theologen gerichtet, die das "Memorandum 2011" unterzeichnet haben:

Meine lieben deutschen Theologen,

den lieb ich, der Unmögliches begehrt? Wäre es so einfach, wie es das Zitat behauptet, müssten wir alle uns ergriffen an die Brust fassen und eine Träne der Rührung verdrücken und stolz ausrufen: ach, unsere guten deutschen Theologen, wie schön, dass wir sie haben.

So aber, meine lieben Theologen, ist es nicht, zumindest dann nicht, denke ich speziell an Euch, an jene bisher 193 meist habilitierten und staatlich bestallten Lehrenden, die Ihr ein „Memorandum 2011“ unterzeichnet habt. Ja, Ihr wollt Unmögliches, Ihr wisst es genau, und dennoch fällt es mir schwer, Euch als Himmelsstürmer, Weltenstürzer so hoch einzuschätzen, wie Ihr selbst Euch vermutlich einschätzt.

Ihr wisst, dass Eure behend hervorgeholten Forderungen nicht verwirklicht werden. Noch mehr Frauen am Altar, ergänzt durch verheiratete Priester, gerne auch geschieden, gerne auch schwul: Warum sollte diese mit katholischer Tradition komplett brechende Agenda irgendein Bischof in Rom vortragen? Zumal sie aus einem Land stammt, in dem nicht einmal zwei Prozent aller Katholiken leben, von denen wiederum nicht alle Euch applaudieren.

Unmögliches begehrt Ihr, das allein darf man Euch nicht vorwerfen. Vielleicht hat Euch zu später Lebensstunde Sturm und Drang gepackt? Das wäre schön und nicht zu neiden. Aber es sind eben vor allem Exerzitien der intellektuellen Selbstkasteiung, denen Ihr Euch hingebt. Ihr stellt euch – bitte entschuldigt das harte Wort – viel, viel schlichter, als Ihr seid. Ihr spiegelt uns eine Armut im Geiste vor, die keinem von Euch wirklich eigen sein kann.

Ich kenne Euch, Euch kluge Professoren Biesinger und Bremer, Höhn und Mieth und Striet und Schockenhoff, und Ihr und die 187 anderen wollt uns glauben machen, Ihr hättet ein so schlichtes Gemüt, ein so schwaches Gedächtnis, wie es aus dem „Memorandum“ entgegen schlägt? Ihr müsst es besser wissen. Ihr wisst es besser. Und darum ist Euer Memorandum – entschuldigt bitte abermals – ein Witz, der nicht zündet, eine Maskerade, die nicht glückt.

Ihr schreibt von einer „beispiellosen Krise“, einer „tiefen Krise unserer Kirche“ anno 2010/2011. Was waren die Christenverfolgungen der Urkirche, waren die Spaltungen im 11. und 16. Jahrhundert, war der Kulturkampf, war die bedrängte Zeit im „Dritten Reich“, war die antikirchliche Staatsdoktrin der DDR? Allesamt waren das demnach minder schlimme Krisen, Kriselchen, denn „beispiellos“ soll nur die Gegenwart sein. Sollte Euch, die Ihr gewiss die hebräische Bibel gelesen habt und die Apokryphen, das Gedächtnis plötzlich nur bis ins Jahr 1990 zurückreichen? Man liest und fühlt sich veralbert.

Die Krise, die Ihr meint, speist sich aus den in der Tat absolut erschütternden Fällen sexuellen Missbrauchs, die in jüngster Vergangenheit ans Licht kamen. Aber wieso, bitteschön, begegnet man den „Ursachen von Missbrauch, Verschweigen und Doppelmoral“ am besten durch einen „offenen Dialog über Macht- und Kommunikationsstrukturen“? Würde das einen kranken, innerlich längst vom Glauben abgefallenen Menschen davor bewahren, einem anderen Menschen wehe zu tun?

Nein, man kann hier fast den Eindruck gewinnen, schlimme Vorfälle dienten zum willkommenen Nagel, an dem noch einmal ein verstaubtes Bild aufgehängt werden soll: das Bild von der ramponierten Kirche, die Ihr, liebe Theologen, mit eigener Hand zurecht biegen wollt. Jeder Klempner ist dem Rohrbruch gut Freund. Wer sich gesund wähnt, hat nur den falschen Arzt.

Therapeutisch wollt Ihr, liebe Professoren, eingreifen in den Strom der Zeit. Ihr ortet „verknöcherte Strukturen“ – weil Ihr selbst sie nicht ersonnen habt? Und noch einmal: Braucht diese Diagnose nicht das apokalyptische Szenario, das Ihr zeichnet, um nicht sofort als staubtrockener Antrag auf eine innerkirchliche Verwaltungsreform enttarnt zu werden? Man liest, hört die Absicht, ist verstimmt.

Schlichtest erscheint auch die Berufung auf das Zweite Vatikanum, das Ihr gewiss ein und aus studiert habt. Es dient hier als Einwickelfolie für die Forderung, von der „modernen Gesellschaft“ zu lernen. Das Zweite Vatikanum hat aber exakt jene Verfasstheit von Kirche bekräftigt, die Ihr nun überwinden wollt. Warum schreibt Ihr dann nicht, es sei Zeit, sich vom letzten Konzil zu lösen? Das wäre ehrlich und mutig und also das Gegenteil des tatsächlich Gesagten.

Gläubige bleiben der Gemeinde fern, schreibt Ihr weiter, wenn sie sich nicht „an der Leitung ihrer Gemeinde beteiligen“ dürfen. Woher wisst Ihr das? Kommt der Katholik zur Messe, weil er leiten will? Ist das der Inhalt der Liturgie: Einübung in Leitungskompetenz? Auch hier gilt: Ihr wisst es besser.

Und schließlich ist der fordernde Ton aus dem Munde reiferer Herrschaften bemerkenswert. Spricht man so, wenn man sich auf der Speckseite des Lebens angekommen wähnt? Ihr setzt „Sünder“ in Anführungszeichen, reduziert die Bibel auf eine sehr diesseitige „Freiheitsbotschaft“ – wo bleibt übrigens das Alte Testament? –, plädiert für „Befreiung und Aufbruch“ als Resultat eines „Dialogprozesses“, redet aber zugleich im Kasernenton. Es gelte, es müsse, es dürfe nicht: Das „Memorandum“ wirkt wie die Parodie auf einen Einberufungsbefehl. Stillgestanden, reformiert euch, weggetreten!

Natürlich werden die 1,17 Milliarden Katholiken deshalb keine schlaflosen Nächte bekommen. Es ist ja nur eine schiefe Maskerade, ein Witzlein aus Germanien. Was aber, frage ich Euch, werdet Ihr nun in Euren Vorlesungen, Übungen, Seminaren tun? Mit doppelter Energie und in kirchlichem Auftrag wider die wunschgemäß als „verknöchert“ entlarvte Kirche wüten?

Nein, das werdet Ihr nicht tun. Ihr habt ja geschrieben, ein „echter Neuanfang“ sei nötig und jede Menge „Mut zur Selbstkritik“. Also werdet Ihr ganz anders reden, als Ihr es noch im „Memorandum“ tatet. Ihr werdet neu anfangen in der Disziplin des Dienens und des Glaubens und Euch von niemandem in Eurer Selbstkritik übertreffen lassen. So wird es kommen.

Mit hoffnungsfrohen Grüßen,
Alexander Kissler.

Samstag, 5. Februar 2011

Der Moment der opportunistischen Superdemokraten


Vor einigen Tagen hat die versammelte linke Journaille dem deutschen Verteidigungsminister vorgeworfen, er ließe sich von der Bild-Zeitung zu unbedachten Handlungen anstiften. Wenn doch Journalisten nur einmal vor der eigenen Tür kehren würden, oder noch besser: wenn sie einmal nicht nach Tagesmeinung urteilen würden. Aber das würde wohl ihren beschränkten Horizont und ihren Charakter überfordern.

Denken wir einmal ein paar Jahre zurück. Als der Krieg in Jugoslawien ausbrach, wieviele Journalisten hatten es plötzlich schon immer gewußt, daß Herr Milosevic ein übler Panzerkommunist sei, daß er der Alleinschuldige an der Bosnien- und der Kosovo-Katastrophe wäre. Vor ein paar Jährchen mehr hatte sich mit wenigen Ausnahmen keiner dieser neumalklugen Herren für Milosevic, für die ethnische Gemengelage auf dem Balkan auch nur für eine Sekunde interessiert. Aber auf einmal waren sie alle Balkan-Experten und verfluchten Peter Handke, der es sich erlaubt hatte, auf die Selbstgerechtigkeit und die Ignoranz des Westens zu verweisen.

Nach Ägypten hat der gemeine Journalist auch nur einen kurzen Blick geworfen, als vor ein paar Jahren ein Attentat auf Touristen die Öffentlichkeit aufhorchen ließ. Dann war Ägypten wieder das Land der freundlichen Menschen, der Stabilität, die vielleicht höchstens durch einige Scharfmacher getrübt würde. Mubarak wurde zwar nicht unbedingt als lupenreiner Demokrat vorgeführt, aber als Diktator auch nicht apostrophiert. Kaum sind die Straßen und Plätze in Kairo und Alexandria voll von Demonstranten, haben es alle schon immer gewußt. Unterdrückung, Diktatur, schreien die Opportunisten im Chor. Und jeder Verweis darauf, daß auf der Straße vielleicht nicht nur wohlmeinende Demokraten und Liberale unterwegs sind, wird als westliche Arroganz abgekanzelt. Niemand, der darauf verweist, daß die Hintergründe der öffentlichen Unruhen erst ausgeleuchtet werden müssen, ist eine Freund Mubaraks.

Aber die Ängste der koptischen Christen in Ägpyten, die schon wieder Opfer eines Anschlags wurden, sind ernst zu nehmen. Auch die der Israelis, die die schiitischen, vom Iran gestützten Radikalen im Libanon ebensowenig kalt lassen kann, wie ein Ägypten, in dem Muslimbrüder die Palästinenser von der Hamas jenseits der Grenze unterstützen. Obama hat sich wenigstens für einen geordneten Übergang ausgesprochen und das ägyptische Militär aufgerufen, dabei mitzuhelfen. Europa sagt entweder nichts oder überschlägt sich in demokratischem Optimismus. Realpolitik sieht anders aus. Aber die kann man auch nicht von Leuten erwarten, die bei jeder neuen Meinungsumfrage und jedem neuen Geschrei von der Straße umfallen.

Was das Jugoslawien-Debakel betrifft, hat sich da und dort eine gewisse Einsicht breit gemacht, wofür es aber schon verdammt lange gedauert hat. Auch das Beispiel Ägypten gibt wenig Grund zur Hoffnung.

Die Stunde der ewigen Protestanten


Soll man weinen oder lachen? Eigentlich müßte man mit einem Schulterzucken darüber hinweggehen, so abgestanden und tausendmal überholt sind die Forderungen der 100 und einige Professoren, die dieses Memorandum für den Aufbruch der Kirche unterzeichnet haben. Was diese katholischen Gottesgelehrten, die längst in der Wolle gefärbte Protestanten sind, wirklich wollen, gibt es schon längst. Einen protestantischen Gebetsverein, der allen lästigen dogmatischen Ballast abgeworfen hat. Der das Evangelium den Torheiten des Zeitgeistes anpasst. Was diese Herren und Damen treiben, darüber würde sich der alte Luther die Haare raufen! Und wirklich freuen kann er sich auch nicht, daß jetzt selbst die Katholiken seine Forderungen links überholen wollen.

Kardinal Brandmüller hat vollkommen recht, wenn er die Forderung nach Aufhebung des Zölibats als fortgesetzte Beleidigung der Mehrzahl der Priester betrachtet, die ihre Berufung anständig leben. Es dürfe nach den unsagbaren Mißbrauchs-Skandalen des letzten Jahres nicht "zur Tagesordnung" übergegangen werden, schreiben die professoralen Revoluzzer. Aha, der Zölibat ist also doch ursächlich für den Mißbrauch. Wie blind und vernagelt muß man sein? Aber es geht eben hier überhaupt nicht um eine wirkliche Reform der Kirche. Der alte Marsch durch die Institutionen, die Besetzung der Positionen, das ist das Ziel. Man will mit Hilfe reformistischer Kader die Kirche und die Lehre weiter unterminieren, bevor die so arg verlästerten "Konservativen" das Ruder übernehmen. Denn die Reformer hatten in den letzten vierzig Jahren mehr als genug Zeit, die Kirche auf den "Kurs in die Zukunft" zu bringen, mittels Entmündigung der Geistlichen durch Pfarrgemeinderäte, über die Entleerung der Dogmen, die Reduzierung der Messe zu einem Ringelpiez und zig andere Reförmchen, die Rom im nachhinein absegnen mußte. Und was hat sich geändert? Die Leute, die den Glauben ernst nehmen, haben die Kirche verlassen. Sie wollten schlicht diese Reform nach dem Parteiprogramm der Zeitgeistler nicht, die die heilige Schrift nur dann interessiert, wenn sie ihre Reformphantasien bedient.

Die ProfessorInnen kommen jetzt zum tausendsten Mal mit ihren unerträglich ermüdenden Forderungen, weil sie merken, daß der Wind sich dreht. Die verlästerten "Konservativen" drängen nach. Die Zeit der 68er in der Kirche ist vorbei. Ihre Gesellschaftsexperimente sind gescheitert. Das sozialistische Gleichheitsgedöns hat nicht nur im Osten kaputte Landschaften hinterlassen, die Kirche hat sie im wahrsten Sinne des Wortes ruiniert. Kirchen wurden ausgeräumt, die Lehre entkernt. Aber der Ideologe ruht erst, wenn er vor einem Scherbenhaufen steht. Heiliger Vater bleib standhaft vor dem deutschen Ungeist, an dem die Weltkirche mal wieder genesen soll!

Dienstag, 25. Januar 2011

Schwarzer Schwan


Im Meer der Action-, Kriminal-, Horror- und Metzelfilme ist man über jeden Film froh und glücklich, der den Menschen nicht als Knetmasse futuristischer oder perverser Anwandlungen mißbraucht. Der neue Mensch der Mainstream-Filmwerke ist gegen jede Verletzung gefeit oder ein reines Produkt seiner sozialen Umgebung, ein chemisches Gesamt, das von Kriminalfachleuten sozial und physisch seziert wird. Umso erfreulicher ist ein Film, der den Menschen wieder über sich hinauswachsen läßt. "Black Swan" mit Natalie Portman ist so ein Film. Eine Balletttänzerin, die unter dem Perfektionswahn ihrer Übermutter leidet, die aber diesen soweit verinnerlicht hat, daß sie um jeden Preis den Traum leben will, der ihrer Mutter verwehrt blieb. Ihre Mutter möchte ihre Tochter deshalb auch von jenen schmutzigen Begleiterscheinungen bewahren, die der Ballettbetrieb leider auch mit sich bringt. Ihre Tochter wehrt sich gegen die Verführungsversuche durch ihren Lehrer, gegen die Versuche einer Konkurrentin, sie in den Sumpf ihrer Welt von Betäubung und Drogenkonsum hinunterzuziehen. Dafür muß sie den Preis bezahlen. Sie wird gemobbt, bedrängt, bedroht, solange bis sie Realität und Trauma verwechselt. In einem Angstanfall während der Premiere von "Schwanensee" meint sie schließlich, ihre Konkurrentin umzubringen, während sie tatsächlich sich selbst schwer verletzt.

Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander. Daß sie das tun liegt auch daran, daß die auf Perfektionismus getrimmte Welt des Balletts das Genie zwar ersehnt, herbeiwünscht, aber es mit allen Mitteln bekämpft, mit Neid und Mißgunst, wenn es sich denn hervorwagt. Nichts haßt das Mittelmaß mehr als das Bessere. Das Talent wird aus der Ferne bewundert, aber in der Nähe will man es nicht dulden. Die Beispiele der Menschen sind Legion, deren Genie, weil es die Mitwelt nicht begriff, kleingeredet, angezweifelt, ins Reich des Abseitigen, des Wahnsinigen verschoben wurde.

"Black Swan" ist auch eine Paraphrase unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Malaise. In der Kunst, in der Politik, wird bei jeder Gelegenheit der Mangel an Persönlichkeiten beklagt. Doch eine kleingeistige, neiderfüllte Mentalität bewirkt, daß in Schule oder Politik das was das Mittelmaß überragt, nicht hochkommt. Alles andere wäre Elitismus, ereifern sich die Hohepriester der Gleichheit. An dieser Realität zerbrechen diejenigen, die mehr als den kleinsten gemeinsamen Nenner erfüllen könnten.

Nur ganz nebenbei fragt man sich, warum immer mehr angloamerikanische Filme mit ihren originalen Titeln ins Kino kommen. "Black Swan" zu übersetzen ist nun wirklich kein Hexenwerk. Bei Redewendungen oder Neuschöpfungen ließe sich noch darüber reden, den originalen Titel beizubehalten.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Das Reizwort Assisi


An Assisi scheiden sich die Geister. Für die einen ist es Symbol eines versöhnten Miteinanders der Religionen, für die anderen das Menetekel eines Synkretismus, eines religiösen Indifferentismus, der nach dem zweiten Vatikanum die Kirche erfasst zu haben scheint.

Vor 25 Jahren, am 27. Oktober 1986, hatte Papst Johannes Paul II. Vertreter christlicher Konfessionen, aber auch unterschiedlichster Religionen zu einem Friedensgebet eingeladen. Um Bedenken auszuräumen, hier würde der Stellvertreter Christi auf Erden die alles überragende Heilsbedeutung des katholischen Glaubens relativieren, wenn er mit Häretikern und Leugnern der Gottheit des Herrn gleichberechtigt betet, hieß es, der Papst hätte nicht mit, sondern nur neben ihnen um den Frieden gebetet. Wegen des Eindrucks des Indifferentismus, ja Synkretismus hatte auch der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, Bedenken geäußert. Umso mehr überrascht, daß er für dieses Jahr ein neuerliches interreligiöses Treffen in Assisi angekündigt hat.

Das Problematische an Assisi hat auch die Predigt im Freisinger Dom zum Dreikönigstag offenbart. Einerseits meinte der Geistliche, Epiphanie sei der Tag, der zeige, wem die wahre Anbetung gebühre, dem Herrn, dem alle Herrschaft über die Welt zustehe, obwohl er damals, als ihn die Könige anbeteten, nur ein Kind war. Andererseits meinte er, Assisi sei nichts, was den Vertretern der anderen Religionen, die sich nun, Gott sei's gedankt, in Assisi treffen würden, Angst einjagen müßte, denn der christliche Glaube würde die anderen Religionen "nicht überstrahlen". Genau das tut er, was der Prediger auch im ersten Teil seiner Ausführungen so richtig feststellte. Und genau darum ist auch das gemeinsame Gebet so problematisch.

Es heißt, hier würden die verschiedenen Religionen Bekenntnis zum Frieden ablegen, und schon darum sei das gemeinsame Gebet wichtig und bedeutsam. Es verdunkelt nur zwei wesentliche Tatsachen. Erstens haben die Vorkommnisse in Alexandria, der Anschlag auf die Kopten, bei dem etliche Christen ums Leben kamen, erneut gezeigt, von welcher Religion die Gewalt heute wirklich ausgeht. Um Frieden zwischen den Religionen zu beten ist ansgesichts einer weltweiten Christenverfolgung, die mittlerweile selbst unsere sonst so indifferenten Medien bemerkt haben, zumindest zwiespältig. Ob ein gemeinsames Zeichen die Radikalität einer Religion, deren Vertreter keine glaubwürdigen Anzeichen der Reue geben, wirklich mildern kann, bleibt zu bezweifeln.

Die zweite Tatsache fällt schwerer ins Gewicht. Mag auch das gemeinsame Gebet als innerweltliche, politische Geste im Gedächtnis bleiben, ist ihr religiöses Gewicht doch zu vernachlässigen. Den wahren Frieden kann nur Christus, der die Welt erlöst hat, bringen. Welchen Wert sollte in den Augen Gottes also ein Gebet haben, an dem sich auch die beteiligen, die an die Erlösungstat des Sohnes Gottes nicht glauben, die sie ablehnen und verwerfen?

Dienstag, 21. Dezember 2010

Mangelnde Demut


Was lehrt uns Weihnachten? Viele werden antworten, nun, man freut sich, man beschenkt sich, man ist beisammen und läßt sich von Liedern, die jeder Supermarkt die letzten Wochen rauf und runter gedudelt hat, nochmals und glücklicherweise für lange Zeit zum letzten Mal einlullen.

Soweit so gut oder eher schlecht. Die Geburt des Erlösers sollte uns, meine ich, vor allem eines lehren: Demut. Dieser doch etwas altertümlich klingende Begriff faßt aber alles das zusammen, was dem modernen Menschen so grundlegend abgeht. Er wähnt sich im Allbesitz seiner geistigen Kräfte. Nichts scheint im unmöglich, kein Hindernis zu hoch. Die Geschichte erfüllt sich nicht in der Wiederkunft irgendeines Wanderpredigers, der vor zweitausend Jahren Jünger um sich scharte, sondern in der Selbsterlösung des Menschen durch die moderne Technik.

Der gläubige Mensch dagegen, der seine Begrenztheit, vor allem seine Endlichkeit akzeptiert, steht staunend und andächtig vor dem Wunder der Schöpfung, die keine unbegrenzte Spielwiese menschlicher Phantasie ist. Das Kind ist ihm kein Zellhaufen, aus dem eben in diesem Fall ein Mensch, in einem anderen ein Lurch entsteht. Er steht andächtig vor dem unbegreiflichen Wunder, daß uns das Leben schenkt, und das der Welt den Erlöser in Gestalt eines Kindes schenkt.

So hilflos und schutzbedürftig ein Kind ist, so deutlich führt es uns unsere Hilflosigkeit, unsere Schwäche vor Augen. Nicht ein Haar könnten wir aus eigener Kraft schaffen. Umso lächerlicher erscheint die Anmaßung der Life-Science-Technologen und Humangenetiker, die so tun als könnten sie Leben erschaffen, nur weil sie die DNS-Sequenzen entschlüsselt haben. Sie können nur einen Blick in das Wunder der Schöpfung werfen, nichts weiter. Ein Mensch, der sich den Blick durch Selbstuberschätzung noch nicht verstellt hat, müßte in die Knie gehen, so wie die Hirten es vor zweitausend Jahren taten, die auf ihre Weise klüger waren als alle modernen Technokraten.

Sie waren klüger als jene Theologen, die die Tradition von zweitausend Jahren verwerfen, weil sie meinen, "Neues" entdeckt zu haben, und klüger als jene "mündigen" Gläubigen, die bei der Wandlung stehen bleiben, weil ihnen ein selbstverliebter Theologe erklärt hat, man müsse das nicht mehr tun. Die Hirten gingen vor dem Wunder der Inkarnation in die Knie, so wie es Millionen von Gläubigen im Laufe der Jahrhunderte vor dem Wunder der Gegenwart des Herrn im Sakrament des Altares getan haben. Weihnachten sollte uns Demut lehren, und Dankbarkeit dafür, daß der Sohn Gottes Mensch wurde, gerade weil er wußte, wie hochmütig die Menschheit sein kann.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Da beisst sich doch die Katze...


Nicht nur die angeblich buergerliche FAZ, fast alle Mainstream-Medien waren sich einig, dass die Kirche nach den Aeusserungen des Papstes zum Kondomgebrauch nun "in der Gegenwart", ja "in der Wirklichkeit" angekommen waere. Christian Geyer, der in der FAZ regelmaessig mit aehnlich doppelboedigem Geschwurbel glaenzt, meinte gar, der Papst haette wohl in diesem Moment erkannt, "dass nichts so sehr seine Lehrautoritaet gefaehrdet wie das ueberkommene katholische Kalkuel der augenzwinkernden Duldung bei gleichzeitigem Festhalten an lebensfremder Norm".

Diese Art von Opportunismus moegen moderne, zeitgeistige Theologen und Kleriker fuer die angezeigte Art halten, mit dem Glauben umzugehen. Diese Schizophrenie ist aber niemals Sache des derzeitigen Pontifex. Das Glaubensgut kann niemals Gegenstand einer gesellschaftlichen Abwaegung sein, es sei denn, der Papst wolle sich von seinem Auftrag emanzipieren. Die vielbeschworene gesellschaftliche Realitaet kann es auch nicht sein. Andernfalls wuerde sich das Christentum selbst aufgeben. Denn die Kirche lehrt seit Jahrhunderten, dass der Zeitgeist nicht das Mass der Dinge sein kann. Dieses Mass scheint eher mancher deutsche Pfarrer, Bischof oder Pfarrgemeinderatsvorsitzende fuer den rechten Weg zu halten. Die normative Kraft des Faktischen ist ihnen wichtiger als der Wortlaut des Evangeliums. Nach dem Motto: Wir waeren ja schon "weiter", aber Sie wissen ja: Rom..."

Sie wissen aber oder sollten es eigentlich wissen, dass Rom und auch sie selber nicht anders koennen als die Kirche und die Tradition es seit jeher gelehrt haben. Alles andere waere Selbstbetrug, ja Schizophrenie. Man muss sich ohnehin fragen, was die Herren Dauerreformer eigentlich wollen? Einerseits versichern sie, dass das was die Kirche gestern gelehrt hat, heute ohnehin nicht mehr ernst zu nehmen sei. Andererseits belagern sie Rom, verlangen stoerrisch nach Reformen des Ueberlieferten, und freuen sich ueber jedes auch noch so kleine Anzeichen einer Anpassung an den Zeitgeist. Eigentlich koennte es ihnen vollkommen egal sein, ob der Papst den Gebrauch des Kondoms freigegeben hat oder nicht, da die "augenzwinkernde Duldung" ihnen, nicht dem Papst zur Regel geworden ist. Da beisst sich die Katze doch in den Schwanz...